Jan 212017
 

Skript:

Willkommen bei der WiderstandsChronologie. Nach einer längeren Krankenstandspause setzen wir fort mit dem 13. Jänner 2017:

Wenn der Freitag auf einen 13. fällt, feiern an den gesellschaftlichen Rand gedrängte Menschen, denen mangels Konsumkraft der öffentliche Raum entzogen wird oder die gesellschaftliche Diskriminierung erfahren, den F13. So auch vorige Woche, am Feitag, dem 13. Jänner, diesmal mit einem „umgedrehten Planquadrat“ beim Bahnhof Wien-Praterstern. An dieser Intervention im öffentlichen Raum nahmen rund 50 Personen teil.
[Interview]

Nachdem vor einer Woche die Kollektivvertragsverhandlungen im Sozial- und Gesundheitsbereich unterbrochen worden waren, mobilisierten die „Initiative Wir sind sozial aber nicht blöd“ und die GPA-djp für Montag, den 16. Jänner, zu einer Demonstration für eine ordentliche Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich.
Selma Schacht, Betriebsratsvorsitzende in der Wiener Kinder- und Jugendbetreuung und Aktivistin der kommunistischen Gewerkschaftsinitiative international, KOMintern, sagte dazu im Interview mit WienTV:
[Interview von WienTV – Auszug aus https://youtu.be/K8x9MhWF7G4]
Nach unterschiedlichen Angaben nahmen zwischen 600 und 1000 Personen an der Demonstration für Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung im Sozial- und Gesundheitsbereich teil.
Die Initiative „Wir sind sozial aber nicht blöd“ spreche, so Selma Schacht, von einem Erfolg und fordere, nach der erfolgreichen Mobilisierung keinesfalls mit mageren 1,3% abzuschließen, sondern die Kämpfe weiterzutreiben für 4 % Lohnerhöhung und mindestens 150 Euro sowie eine Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden/Woche. Sie fordere außerdem weitere Kampfmaßnahmen bis hin zu Streiks.

Anlässlich der Angelobung Donald Trumps zum Präsidenten der USA fanden heute, am 21. Jänner, vor allem in Washington, aber auch in zahlreichen weiteren Städten auf der Welt Women‘s Marches für Menschenrechte statt. In Wien zogen hunderte Personen aller Geschlechter vom Karlsplatz in den Stadtpark, dort dürften es dann um die 1000 gewesen sein. Eine der Rednerinnen, Brigitte Hornyik vom Österreichischen Frauenring, sagte uns dazu:
[Interview]
Für Kritik und Diskussionen sorgte, dass die muslimische Sprecherin Carla Amina Baghajati nach vorheriger Einladung und Zusage vom Women‘s March Vienna wieder ausgeladen worden sein soll. Der Österreichische Frauenring, der nicht im Kernteam vertreten war, schrieb, dass es einen Konflikt einer kleinen Gruppe gegeben habe. Klärung werde eine Nachbesprechung bringen.
Die Initiatorin des Women Marches Vienna, Caroline Kirkpatrick, erklärte via Facebook, dass die Organisatorinnen Baghajati eingeladen und zu keinem Zeitpunkt ausgeladen hätten. Andere unterstützende Organisationen hätten aber gegen die Einladung interveniert, und dies sei auch an Baghajati weitergeleitet worden. Unter diesen Umständen habe sich Baghajati nicht willkommen gefühlt. Die Organisatorinnen bitten Baghajati und alle, die auf ihre Rede gewartet haben, um Entschuldigung und erklären, Islamophobie klar abzulehnen.

Mit einem Umzug durch die Mariahilfer Straße sollte heute, am 21. Jänner, auf das am Montag startende Volksbegehren gegen eine österreichische Beteiligung an den Handels- bzw. Dienstleistungsabkommen TTIP, CETA und TiSA hingewiesen werden. Zu diesem Umzug liegen uns leider keine Informationen vor. Das Volksbegehren gegen TTIP, CETA und TiSA kann jedenfalls von 23. bis 30. Jänner unterstützt werden – in Wien unter anderem in Amtshäusern und in allen magistratischen Bezirksämtern unabhängig vom Wohnbezirk.

Das war die WiderstandsChronologie vom 13. bis 21. Jänner 2017.

https://cba.fro.at/332870

 Posted by on Sa., 21. Januar 2017 at 17.46
Dez 102016
 

Skript:

Willkommen bei der WiderstandsChronologie für den Zeitraum 27. November bis 10. Dezember 2016.

Am 28. November demonstrierten 35 Personen vorm Fonds Soziales Wien in Wien 3 für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen im Flüchtlingsbereich. Abgelehnt wurden unter anderem laufende Kündigungen von Betreuer*innen.
(Ausschnitt Reden)

Am 29. November beteiligten sich rund 50 Personen an einer Kundgebung zum Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk vor der Universität Wien.
(Ausschnitt Sprechchor)
Aufgerufen haben dazu unter anderem BDS Austria und die Kampagne „Gaza muss leben“. Deren Aufhänger im Aufruf war eine Konferenz, die das Institut für Judaistik der Universität Wien in Kooperation mit der Universität Tel Aviv und der israelischen Botschaft abgehalten hatte, die im Aufruf der Palästina-Solidaritätskundgebung mit einer FPÖ-Veranstaltung verglichen wurde.
Dies bezeichneten Kritiker_innen der Kundgebung als antisemitische Gleichsetzung von Jüd_innen mit Rechtsextremen, mit der stumpfe Ressentiments als legitime Kritik verkauft werden sollen.
An einer Gegenkundgebung unter dem Motto „Kein Platz für Antisemitismus an der Uni Wien“ beteiligten sich fast doppelt so viele Menschen: 90 Personen.
(Ausschnitt Reden)

Für den 3. Dezember, dem Tag vor der Präsidentschaftsstichwahl, rief die „Neue Linkswende“ zu einer Demonstration mit dem Titel „F*ck Hofer“ auf. Diese Demonstration wurde in den Tagen davor von zahlreichen Antifaschist_innen scharf kritisiert. Die Demo nutze nur Hofer, hieß es, sie gefährde gar einen Wahlsieg Van der Bellens, die „Neue Linkswende“ verhalte sich damit höchst unsolidarisch mit allen anderen, die seit Monaten gegen eine Wahl Hofers zum Bundespräsidenten oder für Van der Bellen eingetreten waren. Letztendlich nahmen an der F*ck-Hofer-Demo lediglich 130 Personen teil.
(Ausschnitt Rede)

Am Abend des 3. Dezember versammelten sich 30 Leute vor dem Parlament in Wien und sangen Lieder der regimekritischen türkischen Band Grup Yorum. Zumindest acht Musiker_innen von Grup Yorum können das auf unabsehbare Zeit selbst nicht mehr tun. Denn sie befinden sich seit 23. November in der Türkei in Haft.
(Ausschnitt Rede und Lied).
Grup Yorum spielte bereits in den 1980er-Jahren gegen die türkische Militärdiktatur an, unterstützte jüngst die Gezi-Park-Proteste und trat bis zuletzt für die Rechte aller Volksgruppen in der Türkei ein. Das wurde von den wechselnden Regimen in der Türkei nie gern gesehen oder gehört. Über Jahrzehnte wurden Alben und Konzerte von Grup Yorum immer wieder verboten. Die Musiker_innen sind schon einiges gewohnt an Repression.
Selbst nachdem am 21. Oktober 2016 die Polizei ihre Instrumente zertrümmert hatte, wollten sie nicht ruhig sein, sondern spielten weiter: mit ein paar Klaviertasten und Gitarrensaiten weniger. Das Ergebnis ist auf Youtube zu sehen: https://youtu.be/9TaBUs0Jznc
Daraufhin stürmte die Polizei am 18. November das Idil-Kulturzentrum in Istanbul und nahm alle anwesenden Musiker_innen vorübergehend fest. Nach zahlreichen Verhören befinden sich schließlich seit 23. November Ali Araci, Inan Altin, Selma Altın, Sultan Gökcek, Firat Kil, Dilan Poyraz, Helin Bölek und Abdullah Özgün in Haft.

Das war die WiderstandsChronologie für den Zeitraum 27. November bis 10. Dezember 2016. Auf Wiederhören.


https://cba.fro.at/330126

 Posted by on Sa., 10. Dezember 2016 at 19.26
Nov 262016
 

Skript:

In ganz Österreich fanden am Sonntag, dem 13. November oder kurz danach Mahnwachen gegen Abschiebungen und Rückschiebungen statt. Anlass dafür war der Plan des Innenministeriums, 1782 Menschen unter Vorwand der Dublin-Verordnung nach Kroatien rückzuschieben. In Wien wurden am 13. November von ca. 100 Personen Kerzen auf den Stufen der neuen Burg aufgestellt, die den Schriftzug 1782 bildeten.
(Ausschnitt Rede)

Als Reaktion auf die Wahl Trumps zum Präsidenten der USA demonstrierten am 19. November rund 50 Personen am Platz der Menschenrechte in Wien gegen Nationalismus, Rassismus, Sexismus und Hass. Aufgerufen wurde dazu unter dem Namen Bewegung 9. November …
(Interview mit einem Organisator)

Seit 1981 wird der 25. November als Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Aufbruch organisierte aus diesem Anlass eine Aktion um 15 Uhr am Urban-Loritz-Platz. Und am Abend, um 17 Uhr, demonstrierten rund 120 FrauenLesben am Yppenplatz. (Ausschnitt Reden)
Unbekannte Personen warfen Eier auf die Feminist_innen. (Ausschnitt Rede)

Und heute am Samstag, dem 26. November, demonstrierten in Wien rund 2500 Personen gegen Abschiebungen und Rückschiebungen.(Ausschnitt Rede)
Mit dabei war auch ein linksradikaler Block. (Ausschnitt Rede)
Ein antiimperialistischer Block aus RKOB, Red Revolution und Muslimbrüdern provozierte wiederholt mit Parolen gegen Israel. Linksradikale Antifaschist_innen erklärten daraufhin lautstark, dass Antisemitismus auf einer linken Demo nichts verloren haben. Dies bezeichneten die Antiimperialist_innen wiederum – wie zum Beweis der Vorwürfe – als zionistischen Angriff.

Später demonstrierten am Samstagnachmittag noch mehr als 300 Personen für eine Streichung der PKK von der EU-Terrorliste.

Das war die WiderstandsChronologie vom 13. bis zum 26. November 2016

 Posted by on Sa., 26. November 2016 at 21.29
Nov 132016
 

Am 12. November 2016 ging die „WiderstandsChronologie“ als neue Beilage zur Sendereihe „Radio Widerhall“ (alle zwei Wochen am Samstag um 20 Uhr auf ORANGE 94.0) erstmals on Air – mit einer Übersicht über Proteste, Demonstrationen und Aktionen gegen die herrschenden Zustände der letzten Tage.

Widerstand gegen die herrschenden Zustände hat viele Gestalten – Kundgebungen, Aktionen und viele mehr. Diese Vielfalt soll in der WiderstandsChronologie zum Ausdruck kommen.

Folge 1: 26. Oktober bis 12. November 2016:

http://nochrichten.net/widerhall/widerstandschronologie20161112.mp3

Skript:

Wie jedes Jahr gedachten auch heuer am 26. Oktober rund 55 Personen im Wiener Donaupark der Opfer der NS-Militärjustiz. An jener Stelle beim heutigen Sparefrohspielplatz waren von 1940 bis 1945 mindestens 129 Menschen zumeist nach militärgerichtlichen Urteilen wegen Desertierens, Sabotage, Selbstverstümmelung oder ähnlichen Widerstandshandlungen gegen das nationalsozialistische Militär erschossen worden.

In Linz demonstrierten am 29. Oktober tausende Menschen – nach unterschiedlichen Angaben zwischen 2000 und 4000 – gegen den rechtsextremen Kongress selbsternannter Verteidiger Europas in den Redoutensälen.

Nachdem in der Nacht auf den 4. November in der Türkei elf Parlamentsabgeordnete der oppositionellen „demokratischen Partei der Völker“ HDP festgenommen worden waren, kam es in zahlreichen Städten auch außerhalb der Türkei zu Protestkundgebungen. In Wien demonstrierten rund 2000 Menschen vom Parlament bis in die Nähe der türkischen Botschaft.

Am Intersex Solidarity Day, dem 8. November, demonstrierten in Wien rund 100 Personen Solidarität mit intergeschlechtlichen Menschen. Intergeschlechtlichkeit wird auch heute oft noch als behandlungsbedürftig angesehen und nicht als eine geschlechtliche Variation. Als Folge werden
immer noch Kinder und Jugendliche Operationen unterzogen, um sie an vermeintliche Normen anzugleichen. Die Demonstrant_innen forderten unter anderem einen Stopp angleichender Operationen sowie eine Depathologisierung intergeschlechtlicher Phänomene.

Zum Gedenken an die Novemberpogrome des Jahres 1938 fanden auch heuer mehrere Veranstaltungen statt:

Als die Freiheitliche Partei am 7. November im Wiener Grand Hotel ein Symposium zur Frage „Haben wir aus der Geschichte gelernt?“ abhielt, demonstrierten dagegen rund 30 Menschen vor dem Hotel. Die FPÖ versuche, damit den eigenen Rassismus rein zu waschen, indem Antisemitismus von muslimischer Seite in den Vordergrund gestellt wird, hieß es.

Am 9. November versammelten sich fast 250 Personen am Platz der Opfer der Deportation, an jenem Ort an dem 50.000 Juden, Jüdinnen, Roma und Romnija in nationalsozialistische Vernichtungslager deportiert worden waren.
>>Die komplette Gedenkveranstaltung zum Nachhören

Der jährliche antifaschistische Rundgang im Gedenken an das Novemberpogrom führte heuer am 10. November rund 170 Menschen durch den dritten Bezirk.
>>Der komplette Rundgang zum Nachhören

Heute Samstag, dem 12. November, demonstrierten 20 Personen gegen Donald Trump von der Uni Wien zur US-Botschaft.

Danke an Lale Rodgarkia-Dara für den Soundteppich für die WiderstandsChronologie.

 Posted by on So., 13. November 2016 at 01.09
Jul 312016
 

Über APA-OTS kündigte der „Identitäre“ Martin S. am 25. Juli eine „Kundgebung gegen Terror der Identitären Bewegung Österreich“ vor dem Grünen Haus in der Lindengasse in Wien Neubau am 27. Juli 2016 auf. Gemeint hatte er es freilich nicht ganz so. Über Facebook wurde von der „Identitären Bewegung Österreich“ zu einer „Kundgebung gegen Terror und offene Grenzen“ aufgerufen. Der Ort der geplanten Kundgebung wurde damit begründet, dass an den Terroranschlägen der vergangenen Wochen „die Multikultis, allen voran die Partei der offenen Grenze: die ‚Grünen‘“ schuld seien.
Da laut Landespolizeidirektion Wien ein Schutz der Versammlung in der Lindengasse nicht möglich gewesen wäre, mussten die „Identitären“ die Kundgebung zum Christian-Broda-Platz verlegen.

Autonome Antifaschist_innen riefen dazu auf, die rechtsextreme Kundgebung zu verhindern. Als Ort für die Gegenkundgebung wurde zuerst ebenfalls die Lindengasse und nach Verlegung der „identitären“ Versammlung der Christian-Broda-Platz gewählt.

Lediglich rund 120 Personen fanden sich am 27. Juli um 19 Uhr bei der „identitären“ Kundgebung ein. Der einzige Redner, Martin S., führte die geringe Beteiligung darauf zurück, dass sich viele Interessierte davor gefürchtet haben sollen, einen Stein auf den Kopf zu bekommen oder von Bundeskanzler Kern als Nazi bezeichnet zu werden. Aber die Anwesenden, meinte S. zu wissen, stünden stellvertretend für unendlich viele (was zugegebenermaßen sehr viele wären), ja für ganz Österreich (schon etwas weniger). Er rief alle, die noch nicht ihre ganze Zeit, ihre ganze Energie auf „die Verteidigung Europas“ richten, auf, dies ab heute zu tun. Und, so regte S. an, die ausgeteilten „identitären“ Flugblätter und auch Kerzen könnten noch in der Lindengasse, bei den Grünen, vorbeigebracht werden.

Bei der Aufzählung der Terroranschläge, deren Opfern die „Identitären“ gedachten, fehlte übrigens der erst wenige Tage zurückliegende Amoklauf in München, bei dem 10 Menschen getötet wurden. Hier hatte sich herausgestellt, dass der Attentäter rechtsradikale, rassistische Motive hatte. Das passte offensichtlich nicht in die Argumentationslogik der „Identitären“.

An der antifaschistischen Gegenkundgebung nahmen rund drei Mal so viele Menschen teil. Nach der Anregung von S., Flugblätter und Kerzen zu den Grünen zu bringen, fürchteten viele von ihnen Angriffe auf das Grüne Haus. Gezählte 300 Antifaschist_innen zogen daher nach Ende der Kundgebungen am Christian-Broda-Platz noch in einem spontanen Zug in die Lingengasse. Die befürchteten Angriffe blieben aber aus, auch wenn immer wieder kleine Gruppen von Rechtsextremen in der Umgebung beobachtet wurden.

 Posted by on So., 31. Juli 2016 at 17.15