Dez. 292017
 

Von der Vorgeschichte haben wir bereits mehrmals berichtet (hier und hier):

Seit Jahren setzt sich die Initiative „Gedenken Hadersdorf am Kamp“ unter anderem mit Unterstützung des KZ-Verbands Wien für eine würdige Gedenkstätte in Hadersdorf am Kamp ein, die an die Ermordung von 61 politischen Gefangenen im April 1945 am Friedhof von Hadersdorf am Kamp erinnern soll. Die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus sind am 6. April 1945 angesichts der nahenden roten Armee aus dem Gefängnis Krems-Stein entlassen worden, haben sich zu Fuß in Richtung Wien aufgemacht, sind aber schon in Hadersdorf am Kamp im Zusammenwirken von Volkssturm, Gendarmerie und SS angehalten und am 7. April erschossen worden.
Seit 2009 gibt es eine Gedenktafel am Friedhof von Hadersdorf am Kamp, die an die Ermordung von 61 Gefangenen erinnert. Damit werde nach Ansicht des KZ-Verbands suggeriert, dass es sich bei den Ermordeten um Verbrecher gehandelt habe, und nicht um Widerstandskämpfer. Deshalb wird seit Jahren immer wieder mit Farbe das Wort „politische“ ergänzt, das von der Gemeinde immer wieder entfernt wird.

Am 1. Juli 2017 montierten schließlich Antifaschist*innen selbst eine würdige Gedenktafel, die auch die Namen aller bekannten Namen jener Menschen enthielt, die am 7. April 1945 in Hadersdorf am Kamp erschossen worden waren.

Im November beschloss der Hadersdorfer Gemeinderat die Gedenktafeln wieder zu entfernen und setzte den Beschluss auch rasch um.

Am 21. Dezember brachten Aktivist*innen der Initiative „Gedenken Hadersdorf am Kamp“ und der KZ-Verbände Wien und Niederösterreich deshalb rote Rosen und Bilder der ermordeten Widerstandskämpfer auf den Friedhof und hinterließen sie dort an, wo die Gedenktafeln gewesen waren.

Noch vor dem 24. Dezember waren die Bilder und die Rosen bereits wieder verschwunden.

Am 21. Jänner 2018 wollen Antifaschist*innen die entfernten Gedenktafeln mit den Namen der ermordeten politischen Gefangenen wieder anbringen.

Radiobeitrag für das Nachrichtenmagazin ANDI auf ORANGE 94.0 mit einem Interview mit Christine, der Tochter eines der ermordeten politischen Gefangenen, vom Mai 2017 und einem Ausschnitte aus einem Video von Renate Sassmann vom 21. Dezember 2017:


https://cba.fro.at/wp-content/uploads/andialternativernachrichtendienstvonorange940/06andi-29dez2017-gedenken-hadersdorf-gerhard.mp3

 Posted by on Fr.., 29. Dezember 2017 at 20:00
Dez. 232017
 

Willkommen bei der WiderstandsChronologie

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Bei den Regierungsverhandlungen haben sich ÖVP und FPÖ darauf geeinigt, die tägliche Höchstarbeitszeit auf 12 Stunden anzuheben und pro Woche 60 Stunden Arbeit zu erlauben. Gewerkschaftsjugend und Sozialistische Jugend riefen als Reaktion darauf zu einer Protestkundgebung am Mittwoch, dem 13. Dezember, vor der FPÖ-Zentrale am Friedrich-Schmidt-Platz auf. Simon Inou war dort und sprach für den alternativen Nachrichtendienst ANDI auf ORANGE 94.0 mit den Aufrufer*innen.
[Audio: Ausschnitte aus den Interviews von Simon Inou für ANDI]

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Nur wenige Stunden, nachdem bekannt geworden war, dass sich ÖVP und FPÖ auf die Wiedereinführung von Studiengebühren geeinigt hatten, versammelten sich am Donnerstag, dem 14. Dezember, hunderte Menschen beim Denkmal der Republik, um für freie Bildung zu demonstrieren, während gleich daneben, im Palais Epstein, weiter über die künftige Regierungsarbeit verhandelt wurde. Zeitweise waren bis zu 500 Demonstrant*innen anwesend. 200 von ihnen zogen anschließend noch zur Universität Wien.
[Audio: Ausschnitte aus der Kundgebung]

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Rund 70 Personen demonstrierten am 16. Dezember für Freiheit und Gerechtigkeit für Flüchtende und Migrant*innen in Libyen. Es war die mittlerweile dritte Versammlung, nachdem bekannt geworden war, dass unter anderem mit EU-Geldern finanzierte libysche Milizen Flüchtende und Migrant*innen foltern, versklaven, vergewaltigen und ermorden.
[Audio: Ausschnitt aus Demorede]

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Mindestens 6000 Menschen, vermutlich aber viel mehr, protestierten am 18. Dezember gegen die neue Bundesregierung mit rechtsextremen und neonazinahen Minister*innen.
Rund 1200 Menschen zogen vom Karlsplatz los, 1500–2000 von der Uni Wien, rund 1000 vom Marcus-Omofuma-Stein, an die 2000 überwiegend streikende Schüler*innen vom Bahnhof Wien Mitte, 70 Feminist*innen vom Stephansplatz, mindestens 200 Radfahrer*innen vom Märzpark. Ihr gemeinsames Ziel war der Heldenplatz, so nahe am Ballhausplatz wie möglich, wo um 11 Uhr Bundespräsident Van der Bellen die Regierung angelobte.
Rund um den Ballhausplatz und über den halben Heldenplatz hatte die Polizei ein Platzverbot verhängt. Einige Demonstrant*innen versuchten, die Absperrgitter der Polizei zu entfernen, was die Polizei aber verhinderte. Zwei Wasserwerfer waren dabei zur Absperrung gefahren, wurden letztlich aber doch nicht eingesetzt.
Nach der Angelobung zog eine Spontandemo mit fünfhundert Personen auf die Ringstraße. Beim Rathauspark wurde sie aber aufgehalten. Drei Personen wurden festgenommen.
Einige solidarische Leute demonstrierten vor dem Polizeianhaltezentrum Rossauer Lände Solidarität mit den Gefangenen, bis die drei tatsächlich freigelassen wurden.
Und bis in die Nacht beteiligten sich hunderte Menschen am Heldenplatz an einer Frauen-Protest-Nacht mit Kulturprogramm.

Für alle, die sich weiterhin nicht mit der rechtsextremen Regierung abfinden wollen, und auch für alle, die an den Protesten zur Angelobung zwar teilnehmen wollten, aber nicht konnten, ist eine Großdemonstration am Samstag, dem 13. Jänner, geplant. Treffpunkt für die Demonstration gegen Schwarzblau ist am Samstag, dem 13. Jänner, um 14 Uhr am Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof.
[gebauter Beitrag mit Ausschnitten aus Reden]

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Gegen Abschiebungen in Kriegsgebiete demonstrierten am 20. Dezember xxx Menschen am Platz der Menschenrechte beim Marcus-Omofuma-Stein. Anlass dafür ist die drohende Abschiebung des Schülers Nawid, dem es vor zwei Jahren gelungen ist, nach Einfall der Taliban in die Stadt Kabutz aus Afghanistan nach Europa zu flüchten. Auf der Flucht wurde er von seiner Familie getrennt. Derzeit besucht er die Business Academy Donaustadt. Heute muss er fürchten, zurück nach Afghanistan abgeschoben zu werden. Seine Mitschüler*innen wollen das verhindern. Die Schüler*in Kathi Preyer organisierte die Kundgebung.
[Audio: Interview mit Kathi Preyer]

https://cba.fro.at/356687

Das war die WiderstandsChronologie. Auf Wiederhören.

 Posted by on Sa.., 23. Dezember 2017 at 16:47
Dez. 182017
 

Mindestens 6000 Menschen, möglicherweise aber auch viel mehr, beteiligten sich am Tag X, dem Tag der Angelobung, an den Protesten gegen die neue rechtsextreme Bundesregierung.

Zwischen 8:00 und 9:00 in der Früh versammelten sich

  • beim Bahnhof Wien Mitte 1700–2000 vor allem Schüler*innen zum „antiautoritären Bildungsprotest“
  • am Karlsplatz ca. 1200 Menschen beim Treffpunkt der Radikalen Linken (inklusive grün-alternativer Block)
  • beim Marcus-Omofuma-Stein am Platz der Menschenrechte ca. 1000 Personen beim Treffpunkt Kunst/Kultur/Bildung/Soziales (bei der Zählung ca. eine halbe Stunde vor Aufbruch waren bei noch anhaltendem Zustrom ca. 800 Personen anwesend)
  • bei der Universität Wien ca. 1500–2000 Personen beim Treffpunkt u. a. von der Offensive gegen rechts
  • im Märzpark zirka 200–300 Radfahrer*innen zum Bike-Block (keine eigene Zählung)
  • am Stephansplatz ca. 70 Personen zum feministischen Block (Zählung, nachdem sich der feministische Block bei der Oper der Schüler*innendemo angeschlossen hat).

Kleinere Demozüge wie zum Beispiel von der Universität für Musik und darstellende Kunst gab es auch noch.
Und eine von mir nicht erfassbare (aber möglicherweise hohe) Zahl an Demonstrant*innen kam direkt zum Heldenplatz.

Alle Demofinger zogen zum Heldenplatz. Über den Ballhausplatz und weite Teile des Heldenplatzes hatte die Polizei ein Platzverbot verhängt, um zu verhindern, dass die Minister*innen wie 2000 auf dem Weg zur Angelobung der ersten schwarzblauen Regierung nur unterirdisch zur Präsidentschaftskanzlei gehen können.

Alle Demonstrationen konnten relativ problemlos ihr Ziel, den Heldenplatz, erreichen. Dort war die Platzverbotszone durch Tretgitter vom Versammlungsort getrennt. Zwei Wasserwerfer waren in einiger Entfernung bereitgestellt.

Nachdem am Heldenplatz einige Demonstrant*innen versuchten, Absperrgitter der Polizei zu entfernen, drängten WEGA-Polizist*innen die Demonstrant*innen zurück und die Wasserwerfer wurden zu den Tretgittern vorgezogen, aber nicht eingesetzt.

Um ca. 11:45 – also rund eine Dreiviertelstunde nach Beginn der Angelobung – setzte sich eine Spontandemo mit ca. 400–500 Personen Richtung Ringstraße und dort weiter in Richtung Parlament in Bewegung. Diese Demo wurde an der Ecke Dr.-Karl-Renner-Ring/Rathausplatz von der Polizei aufgehalten. Nachdem vereinzelt versucht wurde, die Polizeikeile über den Rathauspark zu umgehen, wurden Demonstrant*innen durch den Park gejagt. Einige Demonstrant*innen wurden vorübergehend angehalten, einzelne Identitätsfeststellungen vorgenommen und drei Personen festgenommen.

Diese oder eine andere Spontandemo konnte sich später wieder in Bewegung setzen.

Um 12:50 wurde die Spontandemo zusammen mit herumstehenden Personen überraschend auf der Fahrbahn zwischen Parlament und Rathausplatz zirka 20 Minuten eingekesselt. Dann durften die Demonstrant*innen Richtung Universität weiterziehen. Die Polizei ging der Demo sogar voran. Vor der Universität löste sich die Spontandemo selbst auf.

Vor dem Polizeianhaltezentrum demonstrierten bis zur Freilassung der Festgenommenen zirka 3