Sep 152018
 

Willkommen bei der WiderstandsChronologie

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Am 8. September zu Mittag wurde im 22. Bezirk anlässlich eines Treffens der EU-Finanzminister*innen im Austria Center Vienna gegen eine Spar- und Kürzungspolitik auf Kosten der Bevölkerung und gegen die Streichung von Förderungen für Fraueneinrichtungen demonstriert. Es hätte für das aufrufende Bündnis der Auftakt für einen heißen Herbst werden sollen. Gekommen sind allerdings nur 165 Demonstrant*innen.

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Rund 100 Menschen forderten am Nachmittag des 8. Septembers am Praterstern bei einer vor allem von im Sozialbereich tätigen Menschen organisierten Kundgebung: öffentlichen #RaumFürAlle*, ein Ende der Schikanierung bettelnder Menschen, bedarfsorientierte Mindestsicherung, menschenwürdige Migrations- und Asylpolitik sowie eine Wohnungspolitik, die Zugang zu leistbarem Wohnen schafft –

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Gleich zwei rechtsextreme Versammlungen gab es am 8. September in Wien. Am Nachmittag forderte eine recht kleine Gruppe am Ballhausplatz den EU-Austritt Österreichs. Am Abend zogen wie schon im vergangenen Jahr überwiegend identitäre Rechtsextreme im Gedenken an die Schlacht vom Kahlenberg 1683 vom Kahlenberg zum Leopoldsberg. Hunderte Antifaschist*innen protestierten dagegen wieder am Cobenzl, der zuvor von den Rechtsextremen als Ziel ihres Aufmarsches angegeben worden war.

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Am 13. September demonstrierten rund 1700 Menschen anlässlich der EU-Flüchtlingskonferenz vom Praterstern nach Kaisermühlen, in die Nähe des Austria Center Vienna – ihr Motto: „Baut Brücken, nicht Mauern!“
Schon vor der Demonstration fassten unter anderem die Menschenrechtssprecherin der Wiener Grünen, Faika El-Nagashi und Erich Fenninger von der Volkshilfe zusammen, worum es geht:

Unmittelbar nach dem Ende der Abschlusskundgebung bei der U-Bahnstation Kaisermühlen prügelte ein mutmaßlich Rechtsextremer auf Kundgebungsteilnehmer*innen ein. Er konnte von Antifaschist*innen aus der Demonstrant*innenmenge gedrängt werden und wurde später von der Polizei weggeführt. Nach einer kurzen Amtshandlung durfte er wieder gehen. Ein Twitter-User, der sich als die betreffende Person ausgab, gab an, dass ihm in der Menge seine „Kekistan“-Flagge weggenommen worden sei, die er zurückhaben wollte. Die der nationalsozialistischen Reichskriegsflagge ähnliche Flagge der fiktiven Nation Kekistan entstand aus Internet-Memes rechtsextremer Gruppen in den USA. Die Attacken auf Antifaschist*innen streitete der mutmaßlich rechtsextreme Angreifer in seinem Tweet nicht ab. Vielmehr erklärte er, dass er, wäre er nicht von „hunderten Zecken“ – gemeint sind damit die antfiaschistischen Demonstrant*innen – umzingelt gewesen, wäre er „zum Wolf geworden und hätte die paar Schmalschultrigen zerfetzt“.

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Am Freitag, dem 14. September, protestierten fast 500 Menschen mit der GPA-DJP vor dem Sozialministerium gegen die Kürzung des Arbeitsmarktbudgets. Durch die Kürzung der Fördermittel für das Arbeitsmarktservice müssen Qualifizierungsmaßnahmen, Deutschkurse und andere Programme ersatzlos gestrichen werden und Trainer*innen in Ausbildungseinrichtungen verlieren ihren Job, hieß es.

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Am Samstag, dem 15. September protestierten vor der Oper rund 150 Menschen gegen iranische Raketenangriffe auf Kurd*innen im Nordirak am 8. September und gegen die Hinrichtung kurdischer Aktivist*innen im Iran.

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Die rechtsextreme Partei „Die Stimme“ des aus der FPÖ ausgeschlossenen ehemaligen RFS-Wien-Obmanns Markus Ripfl rief für Samstag, dem 15. September, zu einer „Trauerkundgebung gegen den Multikultiterror“ vor der deutschen Botschaft in der Gauermanngasse auf. Ganze 21 Personen nahmen an der Kundgebung teil. Die Trauerrede von Ripfls ging dann aber vom Schillerplatz entgegen tönenden Sprechchören von Antifaschist*innen etwas unter.

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In Passau fand am Samstag, dem 15. September eine von antifaschistischen und antirassistischen Gruppen aus Deutschland und Österreich organisierte grenzüberschreitende Demonstration für grenzüberschreitende Solidarität statt. Darüber lagen bei Fertigstellung dieser WiderstandsChronologie aber noch keine genaueren Informationen vor.

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https://cba.fro.at/383444

Das war die WiderstandsChronologie. Auf Wiederhören.

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Ergänzung: Am Minoritenplatz wird freilich weiterhin wöchentlich gegen die Regierung angesungen. Am 11. September waren bereits 160 Menschen beteiligt. Die nächsten Termine für Music4HumanRights:
Mi., 19.9.; Di., 25.9.; Mi., 3.10.; Di., 9.10.; Mi., 17.10.; …, jeweils um 16:30.

 Posted by on Sa., 15. September 2018 at 19:28
Sep 012018
 

Willkommen bei der ersten WiderstandsChronologie nach der Sommerpause mit einem Rückblick auf Protestaktivitäten in Wien seit der letzten Ausgabe am 8. Juli.

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Seit dem 10. Juli 2018 treffen sich zahlreiche Menschen – inzwischen sind es meistens mehr als 100 – ein Mal in der Woche am Dienstag oder Mittwoch um 16:30 vor dem Innenministerium am Minoritenplatz, um „gegen den aufkommenden Faschismus, für Solidarität, Humanität, Demokratie und Menschenrechte“ Friedens- und Protestlieder zu singen. Das nächste Mal gibt es „Music4HumanRights“ übrigens am Mittwoch, dem 5. September um 16:30 am Minoritenplatz.
[kurzer Ausschnitt aus „Basti Tschau“]

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Am 12. Juli feierten der österreichische Cartellverband und der Mittelschülerkartellverband in der Stiegl-Ambulanz am Unicampus im alten AKH ein Sommerfest mit Sebastian Kurz. Auch rund hundert Regierungsgegner*innen versammelten sich beim von der Polizei schwer bewachten Zugang zum Fest.
[Interview mit Demonstrant*innen]
Die Proteste beschränkten sich auf das Skandieren von Parolen. Die Polizei zerrte gegen 20 Uhr dennoch überraschend und ohne erkennbaren Grund zwei Personen aus der Menge. Einer, hieß es in einer spontanen Begründung eines Polizisten, soll mit seinem Fotoapparat der Polizei zu nahe gekommen sein. Nach Beschimpfungen, Drohungen und Identitätsfeststellungen wurden beide wieder freigelassen.
Eine weitere Amtshandlung gegen eine protestierende Person mit unbekanntem Ausgang gab es bereits kurz nach 17:30.

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Während der sommerlichen Hitzewelle forderten Tierrechtler*innen wiederholt „Hitzefrei für Fiakerpferde“. So etwa am 30. Juli am Stephansplatz.
[Interview mit einem Aktivisten]

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Am Jahrestag des Abwurfs einer Atombombe auf Hiroshima am 6. August gedachten in Wien rund 80 Menschen der Opfer der Atombombenabwürfe 1945 und demonstrieren mit Laternen „für eine Welt ohne Atomwaffen, AKWs und Krieg“ vom Stephansplatz zum Karlsplatz.

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Wie in ganz Europa fanden am 4. August auch in Wien unter dem Titel „Seebrücke“ Aktionen gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung statt, für das Recht, Menschen auf der Flucht zu helfen. Am Karlsplatzteich wurden hunderte orangefarbene Papierschifferln zu Wasser gelassen. Am 9. August demonstrierten rund 500 Menschen vom Schwedenplatz zum Innenministerium für „offene und sichere Reisewege für alle“ sowie „Solidarität mit allen Flüchtenden, Migrant*innen und Seenotretter*innen“.
[Ausschnitte aus Reden]

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Fast 300 Menschen nahmen am 9. August am Grinzinger Friedhof Abschied vom streitbaren Menschenrechtsaktivisten, Antirassisten und Radiomacher Di-Tutu Bukasa. Nach dem Begräbnis zogen rund 60 Personen in einem Walk of Silence durch die Innenstadt. In Erinnerung an Di-Tutu Bukasa.

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Zirka 100 Personen kamen am 18. August zu einer künstlerischen Intervention von One Billion Rising beim Deserteursdenkmal beim Bundeskanzleramt in Wien, um gegen Kürzungen und Streichungen von Förderungen für One Billion Rising und andere feministische Initiativen zu protestieren.
[Interview mit One-Billion-Rising-Aktivistin Aiko Kazuko Kurosaki]

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Am 26. August demonstrierten rund 80 Personen mit Epicenter.works am Wiener Stephansplatz für ein „zeitgemäßes Urheberrecht“, gegen Uploadfilter und gegen ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger, „damit das Internet nicht zur Sackgasse wird“.
[Interview mit Thomas Lohninger von Epicenter.works]

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Am 28. August protestierten rund 60 Menschen mit SambaAttac vor dem Bahnhof Wien Mitte für „soziale Sicherheit statt Kicklsteckenpferde“.
[kurzer Ausschnitt aus Veranstaltung]

https://cba.fro.at/382533

Das war die WiderstandsChronologie. Auf Wiederhören.

 Posted by on Sa., 1. September 2018 at 15:55