{"id":2296,"date":"2017-09-10T23:19:04","date_gmt":"2017-09-10T21:19:04","guid":{"rendered":"http:\/\/nochrichten.net\/?p=2296"},"modified":"2017-09-11T11:39:55","modified_gmt":"2017-09-11T09:39:55","slug":"9-9-2017-rechtsextremer-umzug-vom-kahlenberg-zum-leopoldsberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nochrichten.net\/?p=2296","title":{"rendered":"9.9.2017: Rechtsextremer Umzug vom Kahlenberg zum Leopoldsberg, Antifas vorm Cobenzl"},"content":{"rendered":"<p>Rund 200 Rechtsextreme (eigene Z\u00e4hlung) beteiligten sich am 9. September 2017 an einem als \u201eGedenkzug\u201c an die Schlacht am Kahlenberg 1683 bezeichneten Marsch vom Kahlenberg zum Leopoldsberg, zu dem die \u201eIdentit\u00e4re Bewegung \u00d6sterreich\u201c aufgerufen hatte.<br \/>\nSchon beim Aufbrechen gab es Verz\u00f6gerungen, weil sich einige Teilnehmer*innen versp\u00e4tet hatten. Zum einen weil wegen des Sammelpunkts der Identit\u00e4ren am Parkplatz die Autobuslinie 38A zwischen Wagenwiese und Kahlenberg eingestellt wurde. Zum anderen weil schlie\u00dflich wegen einer antifaschistischen Demonstration von der Wagenwiese zur H\u00f6henstra\u00dfe die wichtigste Zufahrtstra\u00dfe blockiert war. Viele Identit\u00e4re mussten gro\u00dfr\u00e4umig \u00fcber Klosterneuburg ausweichen. Aber selbst auf dieser Ausweichroute soll es zu Behinderungen durch Materialblockaden gekommen sein, die einen R\u00fcckstau ausgel\u00f6st haben sollen, <a href=\"https:\/\/autonome-antifa.net\/index.php\/2017\/09\/10\/geschichten-aus-dem-wienerwald-nachbereitung-der-antifaschistischen-demonstration-am-9-september-2017\/\" target=\"_blank\">berichtete die \u201eautonome antifa [w]\u201c unter Berufung auf Twitter-Quellen<\/a>.<\/p>\n<p>Als die Rechtsextremen um 19 Uhr endlich bereit waren aufzubrechen, wurde die Route des \u201eGedenkzugs\u201c ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Angek\u00fcndigt war eigentlich ein Marsch zum Cobenzl. Das sei aber nur ein T\u00e4uschungsman\u00f6ver gewesen, erkl\u00e4rte ein Redner der Identit\u00e4ren. Wahrscheinlicher scheint es, dass die Route wegen der antifaschistischen Demonstration von der Wagenwiese zur H\u00f6henstra\u00dfe \u2013 zwischen dem Treffpunkt der Rechtsextremen bei der Kahlenbergkirche und dem Cobenzl \u2013 ge\u00e4ndert wurde. Daf\u00fcr spricht, dass urspr\u00fcnglich auch ein anschlie\u00dfender Besuch einer Gastst\u00e4tte am Cobenzl geplant gewesen war.<br \/>\n(Zuerst hatten die Identit\u00e4ren eine Reservierung beim \u201eCaf\u00e9 &#038; Schloss Cobenzl\u201c versucht. Die Betreiber*innen verurteilten aber \u00f6ffentlich \u00fcber Facebook den \u2013 wie sie schrieben \u2013 \u201esogenannten Fackelmarsch der neoXXXX Identit\u00e4ren\u201c, schlossen das Lokal demonstrativ vorzeitig um 18 Uhr und k\u00fcndigten an, den Erl\u00f6s des Verkaufs jedes kleinen Braunens an das Dokumentationsarchiv des \u00f6sterreichischen Widerstands zu spenden. Danach reservierten die Identit\u00e4ren beim \u201eWaldgrill Cobenzl\u201c. Doch auch der Waldgrill stornierte rasch die Reservierung.)<\/p>\n<p>Weiters spricht f\u00fcr die These, dass der rechtsextreme Gedenkzug wegen der Antifademo kurzfristig die Route \u00e4nderte, dass die erste H\u00e4lfte des rechtsextremen Gedenkmarsches vom Kahlenberg Richtung Leopoldsberg \u2013 bis zur Elisabethwiese \u2013 als von der Polizei geduldeter Spaziergang zur\u00fcckgelegt werden musste. Nur die letzten 1000 Meter durfte als Demonstration mit Fahnen, Transparenten und Fackeln marschiert werden. <\/p>\n<p>Und selbst mitten im Wald wurde der Demonstrationszug noch ausgebremst. Drei Kinder in Begleitung von zwei Erwachsenen \u2013 keine Ahnung wo die pl\u00f6tzlich hergekommen waren, aber bei der Elisabethwiese gibt es einen gro\u00dfartigen \u201eWaldseilpark\u201c \u2013 spazierten lange Zeit seeeehr langsam vor den Rechtsextremen und lie\u00dfen sich von auf sie einredenden Identit\u00e4ren nicht aus der Ruhe bringen. <\/p>\n<p>Bei Ansprachen vor der Kahlenbergkirche, bei der Elisabethwiese, irgendwo im Wald und schlie\u00dflich am Rande der Burg am Leopoldsberg wurde an die Zur\u00fcckschlagung der osmanischen Armee und insbesondere an die Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 erinnert, bei der \u201edas Schickal Europas entschieden\u201c worden sei. F\u00fcr Marco d\u2019Aviano, Prinz Eugen und Jan Sobieski, \u201ef\u00fcr unsere Helden und Heiligen, f\u00fcr die M\u00e4rtyrer, und f\u00fcr die gro\u00dfen M\u00e4nner und Frauen Europas, die gek\u00e4mpft haben, damit Europa weiter bestehen kann, in der Versicherung, dass auch wir k\u00e4mpfen werden, dass Europa weiter bestehen kann\u201c werde ein Zeichen gesetzt, so Martin S., einer der \u201eLeiter\u201c der Identit\u00e4ren Bewegung \u00d6sterreich.<br \/>\nEs wurden Reden von \u201eGraf Ernst R\u00fcdiger von Strachenberg\u201c (sic!) verlesen. Und Martin S. fragte sich, was sich einer der damaligen K\u00e4mpfer denken w\u00fcrde, wenn er heute mit der U6 durch Wien fahren w\u00fcrde. Au\u00dferdem: Sie seien das Volk, Wien sei ihre Stadt, \u201edas hier\u201c ihr Land, Europa ihr Kontinent und sie w\u00fcrden ihn sich \u201egemeinsam zur\u00fcckholen\u201c. Sie w\u00fcrden sich gegen den Austausch wehren. Sie w\u00fcrden nicht zulassen, dass unter ihren Augen \u201eWien f\u00e4llt\u201c, dass unter ihrer \u201eWache\u201c \u201e\u00d6sterreich untergeht\u201c. Sie w\u00fcrden k\u00e4mpfen, \u201edamit in hundert Jahren, in einer ungebrochenen Tradition dieses Gedenkzuges, unsere Nachkommen stehen werden, und genauso mit stolz geschwellter Brust sagen k\u00f6nnen: \u201aUnsere Vorfahren waren Helden!\u2018\u201c Und so weiter.<\/p>\n<p>Zum Abschluss wurde gemeinsam gesungen. Die Auswahl des Liedguts erfolgte nicht sonderlich traditionsbewusst. \u201eDie Arbeiter*innen von Wien\u201c wurden kurzerhand umgedichtet in <a href=\"http:\/\/nochrichten.net\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170909verteidigervonwien.mp3\" target=\"_blank\">\u201eVerteidiger von Wien\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>Einen derartigen Umzug wollen die Rechtsextremen f\u00fcrderhin jedes Jahr machen.<\/p>\n<p>An der antifaschistischen Demonstration gegen den rechtsextremen Aufmarsch nahmen laut <a href=\"https:\/\/autonome-antifa.net\/index.php\/2017\/09\/10\/geschichten-aus-dem-wienerwald-nachbereitung-der-antifaschistischen-demonstration-am-9-september-2017\/\" target=\"_blank\">einem Bericht der \u201eautonome antifa [w]\u201c<\/a> zwischen 150 und 200 Personen teil. Die Antifaschist*innen zogen von der Wagenwiese \u00fcber die Cobenzlstra\u00dfe zur H\u00f6henstra\u00dfe und blockierten dort die Anreise einiger Rechtsextremer zu deren \u201eGedenkmarsch\u201c. Danach zogen die Antifaschist*innen nach Grinzing, wo sie die Demo aufl\u00f6sten. Die antifaschistischen Aktivit\u00e4ten bezeichnete die \u201eautonome antifa [w]\u201c als relativen Erfolg. Den Identit\u00e4ren sei es zwar gelungen, Bilder zu inszenieren, sie h\u00e4tten aber ihren Aufmarsch wie schon 2014, 2015 und 2016 nicht wie geplant durchf\u00fchren k\u00f6nnen. Deren Anreise sei stark verz\u00f6gert worden und Lokalreservierungen seien storniert worden. Die antifaschistische Demonstration \u201everschiedener Spektren der Wiener Linken\u201c sei hingegen \u201elautstark, durchwegs von guter Stimmung gepr\u00e4gt\u201c gewesen und \u201eohne \u00c4rgernisse und Repression\u201c verlaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 200 Rechtsextreme (eigene Z\u00e4hlung) beteiligten sich am 9. 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