{"id":2029,"date":"2015-06-21T19:47:03","date_gmt":"2015-06-21T17:47:03","guid":{"rendered":"http:\/\/nochrichten.net\/?p=2029"},"modified":"2015-06-26T13:18:26","modified_gmt":"2015-06-26T11:18:26","slug":"20-6-2015-340-bei-rechtsextremem-marsch-fuer-die-familie-gegen-frauen-und-lgbtiq-rechte-gegen-abtreibung-und-gegen-genderwahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nochrichten.net\/?p=2029","title":{"rendered":"20.6.2015: 340 bei rechtsextremem \u201eMarsch f\u00fcr die Familie\u201c gegen Frauen- und LGBTIQ-Rechte, gegen Abtreibung und gegen \u201eGenderwahn\u201c"},"content":{"rendered":"<p>An die 340 Personen beteiligten sich am 20. Juni am Aufmarsch rechtsextremer christlicher Fundamentalist_innen in Wien gegen die gleichzeitig stattfindende Regenbogenparade, gegen Homosexuelle, Frauenrechte, Abtreibung und von ihnen so genannten Genderwahn. Aufgerufen dazu wurde neuerlich unter dem Namen \u201ePlattform Familie\u201c, hinter der unter anderem die radikalen frauenfeindlichen Abtreibungsgegner_innen von \u201ePro Vita\u201c mit ihrem Obmann Alfons Adam stehen. Offen neonazistische Agitation gab es heuer keine. Stattdessen war die \u00d6VP mit Redner_innen stark vertreten. Es durften nur von den Organisator_innen vorbereitete Tafeln getragen werden. Die \u201eEurop\u00e4ische Aktion\u201c war in diesem Jahr zumindest nicht sichtbar. Polnische Nationalist_innen der \u201eWiede\u0144ska Inicjatywa Narodowa\u201c waren zwar auch dieses Jahr dabei, allerdings ohne eigene Fahnen. Sie wurden von der Polizei am Beginn der Veranstaltung sogar Identit\u00e4tsfeststellungen unterzogen. Der abgesetzte Sprecher der Pegida Wien, Georg Immanuel Nagel, der mit seiner neuen Aktionsgruppe \u201eGegen Dekadenz und Werteverfall\u201c auch zum \u201eMarsch  f\u00fcr die Familie\u201c aufgerufen hatte, war freilich auch mit dabei. N\u00e4he zur Pegida zeigte sich auch an den eingesetzten Securities. Das waren zumindest zum Teil dieselben wie bei der Pegida-Kundgebung im April. <\/p>\n<p>Gegen den rechtsextremen \u201eMarsch f\u00fcr die Familie\u201c wurde von feministischen, LGBTIQ- und antifaschistischen Gruppen mobilisiert. Eine Gegenkundgebung am Stock-im-Eisen-Platz wurde von der Polizei untersagt. Lediglich eine Kundgebung am weit entfernten Michaelerplatz wurde nicht untersagt. Trotzdem kamen hunderte Gegner_innen des rechtsextrem-katholischen Marsches zum Stephansplatz. Sie wurden von der Polizei auf Abstand gehalten. Am Graben gelang es einigen, den rechtsextremen Marsch f\u00fcr kurze Zeit aufzuhalten. Die Polizei dr\u00e4ngte die antifaschistischen, feministischen und LGBTIQ-Aktivist_innen vorerst nur weg. Kurz darauf ging sie auch mit Schlagst\u00f6cken und Pfefferspray gegen sie vor. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Abschlusskundgebung der Rechstextremen skandierten einige Aktivist_innen auf der fast 100 Meter entfernten Herrengasse Parolen. Die Polizei vertrieb sie, kesselte sie ein und setzte neuerlich Pfefferspray ein.<\/p>\n<p>Zahlreiche LGBTIQ-Aktivist_innen, Feministinnen und Antifaschist_innen wurden Identit\u00e4tsfeststellungen unterzogen. Laut Polizei wurden drei Personen vor\u00fcbergehend festgenommen. Es seien mehrere Anzeigen sowohl nach dem Verwaltungs- als auch nach dem Strafrecht gelegt worden.<br \/>\nDie letzte Festgenommene wurde am Abend entlassen.<\/p>\n<p>Die \u00d6H Uni Wien sprach in einer Aussendung von einem untragbaren eskalativen Verhalten des polizeilichen Einsatzkommandanten Oberstleutnant Werner G. Er habe Befehle zu Pfeffersprayeins\u00e4tzen gegen blo\u00df umherstehende oder sich vom Geschehen wegbewegende Personen gegeben.<br \/>\n<strong><br \/>\nBeim rechtsextremen \u201eMarsch f\u00fcr die Familie\u201c traten als Redner_innen auf:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Emanuel Aydin<\/strong>, Chorepiskopos der syrisch-orthodoxen Kirche, wetterte vor allem gegen Abtreibungen. Ein Staat, der das \u201eunver\u00e4u\u00dferliche Naturrecht\u201c auf Leben vom Ungeborenen bis zum Greis am Totenbett nicht akzeptiert, wende sich in \u201eschroffer Arroganz\u201c gegen die Sch\u00f6pfungsordnung Gottes. Unz\u00fcchtige, G\u00f6tzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabensch\u00e4nder, Diebe und R\u00e4uber w\u00fcrden nicht das Reich Gottes erben. Au\u00dferdem d\u00fcrfe der Staat sich nicht mit einem Kindergartensystem in die Aufgabe der Familie einmischen. Das christliche Familienideal m\u00fcsse gest\u00e4rkt werden. Der Staat d\u00fcrfe nicht durch \u201epathologische Sexualisierung\u201c tief in die psychische Entwicklung kleiner Kinder eingreifen. Unschuldige Kinder d\u00fcrfen nicht schon im Kindergarten verwirrt werden, indem ihnen weisgemacht werde, dass \u201eeine so genannte sexuelle Orientierung\u201c frei gew\u00e4hlt werden k\u00f6nne, so Aydin. <\/p>\n<p><strong>Ursula Stenzel<\/strong>, die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt (\u00d6VP), kam, um den christlichen Fundamentalist_innen ihren \u201eRespekt zu erweisen\u201c. Sie bezeichnete es als sehr traurig, dass eine Demonstration angesagt werden m\u00fcsse, um f\u00fcr grundlegende Werte wie die Familie im christlichen Sinne einzustehen. Sie klagte dar\u00fcber, dass ihr bereits um 11 Uhr am Vormittag Techno-L\u00e4rm entgegenschallte. Der sei von einem Wagen der Wiener Linien gekommen, mit der um Steuergeld die \u201eGay-Parade\u201c unterst\u00fctzt worden sei. Wenn sie gezwungen werde, etwas zu h\u00f6ren, was sie nicht h\u00f6ren will, werde ihr grundlegendes Menschenrecht verletzt, so Stenzel. Dass die Ringstra\u00dfe die Demonstrationsmeile schlechthin sei, das m\u00fcsse eingestellt werden. Ihr bei den \u00d6BB arbeitender Sohn sei gar von den \u00d6BB abkommandiert worden, um bei der Gay-Parade teilzunehmen. Das sei ein Skandal. Das (die Regenbogenparade) sei eine gelenkte politische Demonstration, die im Wahlkampfjahr von Rot-Gr\u00fcn missbraucht werde. Rot-Gr\u00fcn d\u00fcrfe die Innenstadt nicht in Geiselhaft nehmen.<\/p>\n<p>Der fr\u00fchere Team-Stronach- und seit kurzem \u00d6VP-Nationalratsabgeordnete <strong>Marcus Franz<\/strong>, zuletzt durch sein Bekenntnis zu sexuellen Bel\u00e4stigungen bekannt geworden, \u00fcbermittelte einen \u201eherzlichen Gru\u00df\u201c des \u00d6VP-Parlamentsklubs. Die Familie mit Kindern sei unver\u00e4ndert das grunds\u00e4tzliche Leitbild der \u00d6VP. Sie bekenne sich zur Ehe von Mann und Frau. Es gebe aber auch \u00fcberhaupt im Parlament ein klares Votum gegen die Ehe f\u00fcr alle. Im neuen Parteiprogramm der \u00d6VP stehe auch, dass Schwangerschaftsabbruch abgelehnt wird. Dem Anliegen der Familie und des \u201eLebensschutzes\u201c m\u00f6chte er, Franz, eine starke Stimme verleihen. Was \u201euns\u201c k\u00fcnftig ereilen werde, seien Diskussionen \u00fcber die Fortpflanzungsmedizin. Sexualit\u00e4t werde vom Geb\u00e4ren und Kinderkriegen entkoppelt. Das sei gef\u00e4hrlicher als das, was \u201ewir\u201c jetzt schon haben. Auch bei einer Gleichstellung von Mann und Frau muss \u201eman\u201c ganz vorsichtig sein. Weil da werde die \u201eMenschenrechtssituation hineininterpretiert\u201c. Und da wollen \u201egewisse Gruppen in Europa\u201c die Abtreibung zum Menschenrecht erkl\u00e4ren. Und das k\u00f6nne nicht zum EU-weiten Menschenrecht erkl\u00e4rt werden. Veranstaltungen wie diese seien notwendig, um auf die Grundproblematik des Lebens, die auf \u201euns\u201c zukomme, aufmerksam zu machen. <\/p>\n<p>Die Dominikanerin Schwester <strong>Katharina Deifel<\/strong> wandte sich vor allem gegen Gender-Mainstreaming. Gleichberechtigung klinge zwar gut. Wenn aber das nat\u00fcrliche Geschlecht dekonstruiert werde, und in einem Gasthaus f\u00fcr jedes der neu erfundenen Geschlechter WCs geschaffen werden m\u00fcssten, w\u00e4re das ganze Gasthaus nur mehr mit H\u00e4useln voll. Heteros w\u00fcrden heute nicht mehr unterst\u00fctzt, nur LGBTs, und das mit Millionenbetr\u00e4gen. Die neue Sexualerziehung ber\u00fccksichtige nicht die Entwicklung des Kindes. In Zusammenhang mit Sexualit\u00e4t sei im Erlass dazu nur von Lustgewinn die Rede. Liebe, Verantwortung und Ehe kommen nicht vor. Es habe nie eine Volksabstimmung gegeben, ob \u201ewir\u201c eine normale Familie wollen oder etwas anderes. Das sei diktatorisch. Dem m\u00fcsse entgegengesteuert werden, so Deifel.<\/p>\n<p>Der ehemalige slowakische Ministerpr\u00e4sident und Gr\u00fcnder der rechten \u201echristlich-demokratischen Bewegung\u201c KDH (Kres\u0165anskodemokratick\u00e9 hnutie) <strong>J\u00e1n \u010carnogursk\u00fd<\/strong> sagte, er sei \u201evom anderen Ufer der Donau angekommen\u201c, weil die Probleme und Schwierigkeiten da und dort dieselben seien. Weil nationale, kulturelle und religi\u00f6se Werte angegriffen werden. Vor drei\u00dfig Jahren konnte in den Stra\u00dfen Bratislavas in gro\u00dfen Schriften die Losung gelesen werden: \u201eEs lebe das Arbeitskollektiv, die Grundzelle der sozialistische Gesellschaft.\u201c In den n\u00e4chsten drei\u00dfig Jahren k\u00f6nnte vielleicht schon in den Wiener Stra\u00dfen die Losung gelesen werden \u201eEs lebe die Gendergemeinschaft, die Grundzelle der demokratischen Gesellschaft.\u201c Die marxistische Ideologie sei besiegt worden. Auch die \u201eGenderideologie\u201c werde besiegt werden. <\/p>\n<p>Nach dem \u201eMarsch f\u00fcr die Familie\u201c vom Stephansplatz zum Minoritenplatz erz\u00e4hlte der Organisator <strong>Alfons Adam<\/strong> noch ein paar \u201eGeschichten\u201c von \u201eGenderspielen\u201c in Kinderg\u00e4rten: Kinder seien in Wiener Neustadt gezwungen worden, sich aufeinanderzulegen und Lieder zu singen, die in \u201eRichtung \u201aGender\u2018\u201c gingen. Die Eltern eines Kindes, das dabei nicht mitmachen wollte, seien vom \u00d6VP-B\u00fcrgermeister bedroht worden, dass ihnen das Kind weggenommen werde. In einem anderen Kinderg\u00e4rten sollen, so Adam, Kinder gezwungen worden sein, sich auszuziehen, und andere Kinder h\u00e4tten sie mit verbundenen Augen am Geruch von Geschlechtsteilen und des Popos erkennen m\u00fcssen. \u201eWenn wir glauben, wir k\u00f6nnen noch Zur\u00fcckhaltung \u00fcben, dann sind wir fehl am Platz\u201c, so Adam. Alles \u00dcbel habe damit begonnen, dass die Sexualit\u00e4t von der Fortpflanzung getrennt wurde. Es m\u00fcsse darauf hingearbeitet werden, dass die Fristenl\u00f6sung verschwindet. Die \u201ewidernat\u00fcrliche Unzucht\u201c sei so grauslich, dass sich davor sogar die D\u00e4monen ekeln. In der heutigen Gesellschaft w\u00fcrde dieses \u201eLaster\u201c unter dem Titel der Nichtdiskriminierung zur Tugend erkl\u00e4rt, ja ein regelrechter Kult um die Homosexualit\u00e4t gemacht werden, so Adam.<\/p>\n<p>Zum Thema Immigration sagte Adam abschlie\u00dfend: Er d\u00fcrfe dar\u00fcber reden, weil er fr\u00fcher \u201edie damals noch echten Fl\u00fcchtlinge\u201c beherbergt habe. Aber: \u201eH\u00e4tten wir in den letzten Jahrzehnten die eigenen Kinder nicht abgetrieben oder verh\u00fctet, dann h\u00e4tten wir gar kein Immigrationsproblem.\u201c Was er damit meinte, erkl\u00e4rte er nicht genauer. \u00c4hnlich verwirrt setzte er fort: \u201eWenn wir beginnen, unser Christentum wieder glaubhaft zu leben, dann werden wir anziehend f\u00fcr die bei uns lebenden Moslems. Der Islam ist keine nette, angenehme Religion, keine sch\u00f6ne Sache. Es ist kein Wunder, wenn junge Moslems angeekelt sind von unserer Gesellschaft. G\u00e4be es wieder gelebtes Christentum, bin ich mir sicher, dass die Mission unter den Moslems erfolgreich sein k\u00f6nnte. Damit h\u00e4tten wir viele Probleme, die wir heute haben, gel\u00f6st.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u010carnogursk\u00fd<\/strong> lud zum Schluss noch dazu ein, im September an einem \u201eMarsch f\u00fcr die Familine\u201c in Bratislava teilzunehmen.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nWeitere Berichte:<\/strong><\/p>\n<p>Bericht von WienTV \u00fcber die Proteste gegen den rechtsextremen Marsch und \u00fcber das polizeiliche Vorgehen dagegen: <a href=\"https:\/\/wientv.org\/pfefferspray-einsatz-gegen-lgbtiq-aktivistinnen-am-tag-der-regenbogenparade-wien\">https:\/\/wientv.org\/pfefferspray-einsatz-gegen-lgbtiq-aktivistinnen-am-tag-der-regenbogenparade-wien<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An die 340 Personen beteiligten sich am 20. Juni am Aufmarsch rechtsextremer christlicher Fundamentalist_innen in Wien gegen die gleichzeitig stattfindende Regenbogenparade, gegen Homosexuelle, Frauenrechte, Abtreibung und von ihnen so genannten Genderwahn. 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