{"id":1843,"date":"2015-01-12T18:10:31","date_gmt":"2015-01-12T17:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/nochrichten.net\/?p=1843"},"modified":"2015-01-12T19:29:20","modified_gmt":"2015-01-12T18:29:20","slug":"%e2%80%9ealle-charlie-keine_r-jud_in-kundgebung-gegen-terror-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nochrichten.net\/?p=1843","title":{"rendered":"\u201eAlle Charlie, keine_r J\u00fcd_in\u201c \u2013 Wiener Kundgebung gegen Terror"},"content":{"rendered":"<p>An einer \u201eKundgebung gegen den Terror\u201c nahmen am Sonntag am Ballhausplatz mehr als zehntausend Personen teil. Zw\u00f6lftausend waren es laut Angaben der Polizei. Mehrere tausend haben zuvor an einer Mahnwache vor der franz\u00f6sischen Botschaft teilgenommen, und sind dann gemeinsam zum Ballhausplatz gezogen.<br \/>\nAnlass f\u00fcr alle diese Veranstaltungen waren die Anschl\u00e4ge in Paris.<br \/>\nEingeladen dazu haben \u201edie Bundesregierung und Glaubensgemeinschaften\u201c.<br \/>\nDieselbe Bundesregierung k\u00fcndigte abseits dieses Gedenkens als Reaktion auf die Anschl\u00e4ge in Paris eine so genannte Sicherheitsoffensive an, die Anschaffung von gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern und neue Initiativen zur Wiedereinf\u00fchrung der Vorratsdatenspeicherung an.<br \/>\nKritiker_innen meinen, dass damit wesentliche jener Freiheiten abgeschafft werden, die angesichts des Terrors zu verteidigen, bei der Kundgebung vorgespielt wurde.<br \/>\nDie Bundesregierung ergriff bei der Kundgebung aber gar nicht selbst das Wort. Auch die einladenden Glaubensgemeinschaften durften nichts sagen. Zu Wort kamen vielmehr K\u00fcnstler_innen.<br \/>\nGedacht wurde \u2013 wie es formuliert wurde \u2013 den Angeh\u00f6rigen verschiedener Religionen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren.<br \/>\nDass in dem j\u00fcdischen Supermarkt alles andere als zuf\u00e4llig, vielmehr ganz gezielt Juden get\u00f6tet wurden, blieb beim Gedenken am Ballhausplatz in Wien unerw\u00e4hnt. Es war dies nach Anschl\u00e4gen in Toulouse und Br\u00fcssel der dritte Terroranschlag gegen j\u00fcdische Einrichtungen in Europa innerhalb weniger Jahre.<br \/>\n2012 waren in Toulouse ein Rabbiner und drei j\u00fcdische Kinder sowie drei Soldaten ermordet worden. 2014 wurden bei einem Attentat auf das j\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel vier Menschen get\u00f6tet.<br \/>\nBei allen diesen Anschl\u00e4gen ging es darum, Juden und J\u00fcdinnen zu t\u00f6ten, weil es J\u00fcdinnen und Juden waren.<br \/>\nIn Frankreich wird das auch ausgesprochen. L\u00e4ngst ist nicht mehr nur zu h\u00f6ren, \u201eJe suis Charlie\u201c, oder auch \u201eJe suis Ahmed\u201c \u2013 im Gedenken an die bei den Anschl\u00e4gen get\u00f6ten Muslime \u2013, sondern auch \u201eJe suis Juif\u201c. In \u00d6sterreich wurde bei der offiziellen Gedenkveranstaltung kein Wort dar\u00fcber verloren. Antisemitismus wurde nicht erw\u00e4hnt.<br \/>\nAlle seien Charlie, keiner sei Jude, beklagte heute auch die Israelitische Kultusgemeinde Wien. In einem offenen Brief an die Bundesregierung schrieb sie: \u201eEs erf\u00fcllt die Israelitische Kultusgemeinde mit Befremden und Trauer, dass bei der gestrigen beeindruckenden Gedenkkundgebung am Ballhausplatz vergessen wurde, das Wort \u201aj\u00fcdische Opfer\u2018 auch nur ein einziges Mal zu erw\u00e4hnen. Dabei war die Kultusgemeinde sogar als eine der Religionsgemeinschaften Miteinlader.\u201c<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei der kleinen Gedenkveranstaltungen am 7. J\u00e4nner noch einzelne rechtsradikale Gruppen wie die Identit\u00e4ren oder die polnisch-nationalistische Wiede\u0144ska Inicjatywa Narodowa versuchten, das Gedenken f\u00fcr ihre Zwecke zu vereinnahmen, war davon bei der Gro\u00dfkundgebung am Ballhausplatz nichts zu sehen. Zumindest ich habe keine rassistischen oder muslim_innenfeindlichen Transparente gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einer \u201eKundgebung gegen den Terror\u201c nahmen am Sonntag am Ballhausplatz mehr als zehntausend Personen teil. Zw\u00f6lftausend waren es laut Angaben der Polizei. 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