{"id":1113,"date":"2012-06-17T23:14:03","date_gmt":"2012-06-17T21:14:03","guid":{"rendered":"http:\/\/nochrichten.net\/?p=1113"},"modified":"2013-06-16T23:05:07","modified_gmt":"2013-06-16T21:05:07","slug":"abseits-der-regenbogenparade-katholische-fundamentalist_innen-unterliegen-in-schlacht-um-sittenverfall-kussenden-streiter_innen-gegen-homophobie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nochrichten.net\/?p=1113","title":{"rendered":"Abseits der Regenbogenparade: Katholische Fundamentalist_innen unterliegen in \u201eSchlacht gegen Sittenverfall\u201c k\u00fcssenden Streiter_innen gegen Homophobie."},"content":{"rendered":"<p>[display_podcast]<\/p>\n<p>Tausende Menschen beteiligten sich auch heuer wieder an der bereits siebzehnten Regenbogenparade.<\/p>\n<p>Dieses Jahr gab es auch \u2013 vermutlich erstmals \u2013 eine Gegendemonstration katholischer Fundamentalist_innen, die unter anderem von der Christen-Partei-Abspaltung \u201eChristen-Allianz\u201c und der \u201e\u00d6sterreichischen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum \u2013 TFP\u201c bzw. ihrer Proponent_innen unterst\u00fctzt wurde. So galt etwa Christen-Allianz-Gr\u00fcnder Alfons Adam als Mitorganisator. Andere Teilnehmende waren manchen Beobachter_innen als K\u00e4mpfer_innen gegen Frauenrechte bekannt, wie Aktivist_innen von Babycaust- und Vaterrechtsinitiativen. Aufrufe zu Protest und Gebet gegen die Regenbogenparade fanden sich auch auf der Facebook-Pinwand der Jes, geschrieben von Michael Koder, der als Veranstaltungsleiter fungierte. Von ihm stammte auch ein Aufruf auf der Site von gloria.tv, in dem zu lesen war: \u201eWenn uns unsere Kinder einst fragen werden, wo wir denn gewesen sind, als der Sittenverfall in einer zunehmend kinderfeindlicheren Kultur in vollem Gange war, werden wir antworten, dass wir an vorderster Front im Schlachtget\u00fcmmel waren.\u201c<\/p>\n<p>Zum prophezeiten Schlachtget\u00fcmmel kam es aber nicht, sondern schlimmer: zu Ausbr\u00fcchen unsittlicher Liebe. Kaum wollten die katholischen Fundamentalist_innen am Stock-im-Eisenplatz unweit des Stephansdoms mit ihrer Kundgebung anfangen, begannen unz\u00e4hlige Menschen rund um sie, sich gegenseitig zu k\u00fcssen, und das \u00fcberwiegend \u201egleichgeschlechtlich\u201c. Botschaften und Gebete, die \u00fcber eine Laustprecheranlage verbreitet werden sollten, gingen in Rufen gegen Homophobie, Sambakl\u00e4ngen und Pfiffen unter.<br \/>\nUnd nachdem Koder im Aufruf noch die drohende Verf\u00fchrung von Kindern durch Ges\u00e4nge wie \u201eEure Kinder werden so wie wir, eure Kinder werden alle queer\u201c beklagte, bekam er und seine rund vierzig Mitk\u00e4mpfer_innen auch dieses Gstanzerl zu h\u00f6ren. <\/p>\n<p>Zum Kiss-in gegen Homophobie hatte das \u201eLinke Hochschulnetz\u201c aufgerufen, zu einer Kundgebung \u201egegen homophobe Christenfundis\u201c die Initiative \u201egottlos.at\u201c zusammen mit der \u201eTU*Basis\u201c.<\/p>\n<p>K\u00fcssende und tanzende Menschen zogen um die f\u00fcr das sittliche Fundament ihres Vaterlandes streitenden M\u00e4rtyrer_innen herum, mitunter auch mal quer durch ihre Gruppe durch. Polizist_innen standen erst irgendwie mittendrin, bildeten dann eine Sperrkette, konnten sich aber nicht wirklich durchsetzen, oder versuchten dies auch nicht wirklich engagiert. Rasch war die sittliche Trotzburg wieder von sexuell Ausschweifenden umgeben. Und obendrein mischten sich auch immer mehr begeisterte Tourist_innen mit den Demonstrant_innen aller Richtungen.<\/p>\n<p>Ein antihomophober Demonstrant wurde einer Identit\u00e4tsfeststellung unterzogen, nachdem ein Plakat der Katholik_innen zerrissen worden sein soll. Anzeige gebe es aber nur, wenn die Katholik_innen diese erstatten, sei ihm von der Polizei versichert worden, so der Beamtshandelte.<\/p>\n<p>Nach zirka einer halben Stunde wurde zur Oper losgezogen: Voran fuhren und gingen vierzig katholische Fundamentalist_innen, zweihundert weitere Menschen folgten ihnen an ihren Forderungen und Gebeten lauthals Kritik \u00fcbend. An einer Fahrbahnver\u00e4ngung versuchte die Polizei die Teilnehmer_innen an dem ungleichen Umzug zu trennen. \u00dcber parallele Gassen ausweichend, fanden aber dennoch bei der Oper wieder alle zusammen.<\/p>\n<p>Neben der Oper, am Herbert-von-Karajan-Platz, bot sich bald das gleiche Bild wie am Stock-im-Eisen-Platz: Streithafte Christ_innen umgeben von Gegendemonstrant_innen und dazwischen die eine oder andere Reihe Polizist_innen. <\/p>\n<p>Um Viertel Sechs \u2013 vielleicht, weil damit zu rechnen war, dass bald die Regenbogenparade auf der Ringstra\u00dfe vorbeiziehen wird \u2013 verst\u00e4rkte die Polizei ihre Bem\u00fchungen, die Veranstaltungen zu trennen. WEGA kam zu Hilfe und dr\u00e4ngte die Antichrist_innen weg. Auch Polizeihunde wurden eingesetzt, wenn auch an der Leine gehalten. Die Polizei beruhigte sich erst wieder, als ein Abstand von zirka zwanzig Metern zwischen den Kundgebungen hergestellt war.<\/p>\n<p>Weiter wurden Parolen gerufen und gesungen: \u201eEure Kinder werden so wie wir &#8230;\u201c. Ein Polizeihund bellte im Takt dazu. <\/p>\n<p>Um 18 Uhr packten die Christ_innen zusammen, gingen und fuhren weg, zumindest scheinbar. Als kurz darauf die Regenbogenparade zur Oper kam, sei ihr von einer Gruppe betender Christ_innen kurz der Weg versperrt worden, berichtete die Hosi Wien.<\/p>\n<p>Die Kritiker_innen des christlichen Fundamentalismus schlossen sich, zumindest gro\u00dfteils, der Regenbogenparade an, die heuer erstmals ganz um den Ring herum f\u00fchrte, vom Rathausplatz zum Rathausplatz \u2013 wie schon letztes Jahr allerdings nicht \u201eandersrum\u201c, sondern in Einbahn-Richtung. Verkehrsm\u00e4\u00dfig andersrum waren lediglich zumindest zur H\u00e4lfte die Wiener Linien unterwegs, die mit zwei mit Regenbogen geschm\u00fcckten Arbeitsfahrzeugen auf beiden Gleisen die Parade begleiteten.<\/p>\n<p>Den Abschluss bildete die Pride Show am Rathausplatz, bei der bis in die Nacht gefeiert wurde. <\/p>\n<p>Dass die Regenbogenparaden-Website w\u00e4hrend der Parade nicht erreichbar war, sei laut Hosi Wien \u00fcbrigens nicht an einem Hacker_innenangriff gelegen, sondern vielmehr an zu vielen interessierten Zugriffen, die der Server nicht mehr verkraftet habe.<\/p>\n<p>Warum von den vielen \u00fcberwiegend kommerziellen Werbungen, die die Pride-Show-B\u00fchne umrahmten, just eines der wenigen politischen Unterst\u00fctzer_innenbanner \u00fcberklebt wurde, erscheint ein wenig fragw\u00fcrdig. Bei der Forderung nach Solidarit\u00e4t mit verfolgten Lesben und Schwulen im Iran prangte das Logo der Initiative \u201eStop the Bomb\u201c, von dem zuerst &#8222;the Bomb&#8220; und w\u00e4hrend der Schlussveranstaltung dann auch noch &#8222;Stop&#8220; mit schwarzem Klebeband \u00fcberdeckt wurde. Die Veranstalter_innen der Pride-Show (die nicht mit jenen der Parade ident sind) erkl\u00e4rten das auf Anfrage so:<br \/>\n\u201eIn der Nacht hat von Fr auf Sa \u2013 da wurden die Banner bei der B\u00fchne aufgeh\u00e4ngt \u2013 gab es etliche m\u00fcndliche und schriftliche Beschwerden, dass der Stop-The-Bomb-Verein eine undifferenzierte und einseitige Politik vertritt. Daraufhin wurde das Wort \u201aBomb\u2018 abgeklebt. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Verein sollte stattfinden, um zu einer L\u00f6sung zu gelangen, leider war es aus Zeitgr\u00fcnden und aufgrund der Kurzfristigkeit nicht m\u00f6glich, dem nachzukommen \u2013 daf\u00fcr entschuldigt sich der CSD-Vienna-Verein. Als eine Vertreterin vom Stop The Bomb das abgeklebte Wort \u201aBomb\u2018 sah, verlangte sie die v\u00f6llige Abklebung des gesamten Logos.\u201c<br \/>\nStop the Bomb bat unterdessen um eine ausf\u00fchrlichere Stellungnahme gefordert. Selten haben sie ein so unprofessionelles, unsolidarisches und intransparentes Verhalten erlebt wie bei diesem Umgang mit dem Stop-the-Bomb-Banner an der Hauptb\u00fchne, erkl\u00e4rte Simone Dinah Hartmann f\u00fcr Stop The Bomb.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/60532\"><br \/>\n>>Radio-Orange-Beitrag <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[display_podcast] Tausende Menschen beteiligten sich auch heuer wieder an der bereits siebzehnten Regenbogenparade. 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