{"id":1009,"date":"2012-05-09T12:36:54","date_gmt":"2012-05-09T10:36:54","guid":{"rendered":"http:\/\/nochrichten.net\/?p=1009"},"modified":"2012-05-14T18:52:42","modified_gmt":"2012-05-14T16:52:42","slug":"8-mai-in-wien-von-befreiungsfeiern-zu-lautstarken-storungen-deutschnational-volkischen-gedenkens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nochrichten.net\/?p=1009","title":{"rendered":"8. Mai in Wien: <br>Von Befreiungsfeiern zu lautstarken St\u00f6rungen deutschnational\/-v\u00f6lkischen Gedenkens."},"content":{"rendered":"<p>Bis zu 500 Personen kamen am 8. Mai zur Befreiungsfeier am Heldenplatz, zu der die Plattform \u201eJetzt Zeichen setzen\u201c \u2013 unterst\u00fctzt unter anderem von Israelitischer Kultusgemeinde, Gr\u00fcnen und SP\u00d6 \u2013 aufgerufen hatte. Die Polizei hat ihr auch wenig Platz einger\u00e4umt. Die B\u00fchne war ganz an den Rand der Hofburg gedr\u00e4ngt, Tretgitter trennten den erlaubten Kundgebungsbereich vom gr\u00f6\u00dften Teil des Heldenplatzes. Hinter den Gittern lag eine gro\u00dfr\u00e4umig angelegte \u201eneutrale\u201c Platzverbotszone, die sich bis zur Krypta im \u00c4u\u00dferen Burgtor erstreckte, bei der die dem Totengedenken deutschnational\/-v\u00f6lkischer Burschenschaften vorbehaltene Platzverbotszone begann. Die Tore des \u00e4u\u00dferen Burgtors, die in die neutrale Platzverbotszone gef\u00fchrt h\u00e4tten, f\u00fcr die noch strengere Zutrittsbeschr\u00e4nkungen galten als f\u00fcr die deutschnationale Platzverbotszone, waren verschlossen.<\/p>\n<p>Ein Zugang zur Befreiungsfeier war nur \u00fcber den Michaelerplatz oder durch das kleine \u201eAdlertor\u201c rechts neben dem Burgtor m\u00f6glich. Personen, die es beim der U-Bahn-Station Volkstheater n\u00e4chstgelegenen Tor zur B\u00f6hmstra\u00dfe, gleich neben dem Volksgarten, versuchten, wurde zumindest zum Teil von dortigen Polizist_innen mitgeteilt, dass der gesamte Platz gesperrt sei. \u00dcber die Zugangsm\u00f6glichkeit durch das weitgehend unbekannte Adlertor wurden sie \u2013 zumindest teilweise \u2013 nicht informiert. Mag sein, dass so manche, die zur Befreiungsfeier wollten, daraufhin wieder den Heimweg antraten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig mit dem Beginn der Befreiungsfeier am Heldenplatz um 17 Uhr begannen sich auch Teilnehmer_innen einer Demonstration, zu der die \u201eOffensive gegen Rechts\u201c aufgerufen hatte, bei der Universit\u00e4t Wien zu sammeln. \u201eRechtsextremen Aufmarsch verhindern\u201c war deren Aufrufsparole. 1000 bis 1100 Personen nahmen nach Nochrichten.net-Z\u00e4hlung an dieser Demonstration teil. Um 18 Uhr ging die Demo los, vorerst aber nicht weit, nur zur Polizeiabsperrung bei der M\u00f6lker Bastei, jenem Ort, an dem sich gegen 20 Uhr die Burschenschaften treffen wollten. W\u00e4hrend einzelne Burschenschafter von der Bastei auf die Demonstrant_innen runterschauten, wurden Parolen skandiert. Anschlie\u00dfend wurde \u00fcber den Ring \u00fcber das Adlertor zur Befreiungsfeier gezogen. <\/p>\n<p>Mit der Rede des Wehrmachtsdeserteurs und Ehrenvorsitzenden des Personenkomitees \u201eGerechtigkeit f\u00fcr die Opfer der NS-Milit\u00e4rjustiz\u201c und Verfechters eines Deserteursdenkmals am Heldenplatz Richard Wadani war der Wortteil der Befreiungsfeier gerade zu Ende gegangen, als die Antifa-Demo der \u201eOffensive gegen Rechts\u201c auf den Heldenplatz mit wehenden Fahnen der Alliierten Befreiungsm\u00e4chte UdSSR, USA, Gro\u00dfbritannien und Frankreich sowie mehreren israelischen Fahnen einzog.<br \/>\nUngeteilte Zustimmung wurde dem Fahnenmeer bei den \u201eOffensive\u201c-Demonstrant_innen allerdings nicht zuteil, was sich unter anderem in einer Watsche ausdr\u00fcckte, die sp\u00e4ter eine mutma\u00dflich antiimperialistisch gesinnte Person einer_m Tr\u00e4ger_in einer israelischen Fahne verabreichte. <\/p>\n<p>Nach den Reden folgte eine Befreiungsparty.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen sammelten sich bei der M\u00f6lker Bastei die deutschnational\/-v\u00f6lkischen Burschenschaften. Unten, vor den Tretgittern der Polizei, legte vor den Kameras der wartenden Journalist_innen eine milit\u00e4risch uniformierte Clownsarmy-Einheit einen gefallenen Naziclownsoldaten nieder.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Journalist_innen \u00f6ffneten sich dann kurz die Tretgitter zu einer begleiteten F\u00fchrung zu den Burschenschaftern. <\/p>\n<p>Um 20 Uhr marschierten rund 200 Burschenschafter samt Begleitung durch einzelne mutma\u00dflich rechtsextreme Frauen und zahlreiche Fotograf_innen und Reporter_innen los: durch Seitengassen zur Krypta im Burgtor.<\/p>\n<p>Bei der Schauflergasse wurde ihr Marsch von Jubelges\u00e4ngen an einer Absperrung wartender Menschen begleitet: \u201eIhr habt den Krieg verloren &#8230;\u201c. Am Heldenplatz wurden die Deutschnational\/-v\u00f6lkischen mit Pfiffen, Schm\u00e4hrufen, antifaschistischen Parolen und viel L\u00e4rm aus Richtung der Befreiungsfeier empfangen. Trotz der gro\u00dfen \u201eneutralen Zone\u201c \u00fcbert\u00f6nte der L\u00e4rm der Antifaschist_innen beinahe die Tonanlage der Deutschnationalen.<\/p>\n<p>Der Vorsitzende des Wiener Korporationsrings \u00fcberraschte mit einem Zitat des \u201ebekennenden Kommunisten Berthold Brecht\u201c: \u201eStell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Dann kommt der Krieg zu euch. [&#8230;] Nicht einmal den Kampf vermeidet \/ Wer den Kampf vermeiden will: denn \/ Es wird k\u00e4mpfen f\u00fcr die Sache des Feinds \/ Wer f\u00fcr seine eigene Sache nicht gek\u00e4mpft hat.\u201c Eine Interpretation ersparte er den Zuh\u00f6renden, stattdessen gab er gleich das Wort an Alfred Oberwandling (Gothia Wien) weiter.<\/p>\n<p>Als es hie\u00df \u201eSilentium triste\u201c und die Kranztr\u00e4ger aufgerufen wurden vorzutreten, sprang pl\u00f6tzlich \u2013 einem bekleideten Flitzer gleich \u2013 ein Unbekannter zwischen den S\u00e4ulen des Burgtors hervor, gefolgt von ihm nachspringenden Polizist_innen, rannte durch die Reihen der Burschenschafter, bis er schlie\u00dflich von der Staatsgewalt niedergerungen wurde.<br \/>\nEr d\u00fcrfte zuvor die Absperrungen bei der Befreiungsfeier \u00fcbersprungen, die neutrale Zone durchquert und es vorbei an dortigen polizeilichen Sperrketten bis zur Krypta geschafft haben.<\/p>\n<p>Als die Burschenschaften \u2013 nun mit brennenden Fackeln \u2013 den R\u00fcckweg antraten, zogen auch ein paar hundert Demonstrant_innen \u00fcber den Ring zur\u00fcck in Richtung M\u00f6lker Bastei. In der Folge bildeten sich antifaschistische Kundgebungen vor der Bastei und in der Schottengasse. Manch Burschenschafter r\u00e4tselten, wie sie da jetzt rauskommen. Die meisten wollten zum Abschluss aber ohnehin noch ins Restaurant \u201eZum Leupold\u201c (\u201eKupferdachl\u201c), das einen Eingang in der Platzverbotszone, und einen au\u00dferhalb in der Schottengasse hat. Antifaschistische Demonstrant_innen, die sich vor dem Leupold sammelten, wurden von der Polizei gro\u00dfteils zum Schottentor gedr\u00e4ngt. Als auch die Antifaschist_innen vor der M\u00f6lker Bastei zum Schottentor weiterzogen, wuchs dort die Kundgebung noch einmal auf eine Gr\u00f6\u00dfe von rund 500 Personen an. Kleinere Gruppen von Antifaschist_innen trieben sich aber auch an anderen Orten herum, und waren dabei teilweise  mit Problemen mit der Polizei konfrontiert. Meistens kam es zu Identit\u00e4tsfeststellungen. In der Rosengasse, die eigentlich in der Platzverbotszone lag, aber bereits wieder frei zug\u00e4nglich war, wurden Demonstrant_innen von einer WEGA-Einheit angehalten. Drei Personen wurden gegen die Wand geworfen. Eine unbeteiligte Zeugin berichtete, dass einer Person vier-, f\u00fcnfmal hintereinander der Kopf gegen eine Glasscheibe geschlagen wurde, dass sie mit dem Fu\u00df getreten wurde. Eine der drei Personen wurde von der Polizei mitgenommen, zwei durften nach Identit\u00e4tsfeststellungen gehen.<\/p>\n<p>Zwei weitere Personen waren bereits zuvor festgenommen worden. Laut Polizei wurde einer von ihnen vorgeworfen, eine Flasche geworfen zu haben, eine andere soll eine Absperrung \u00fcbersprungen haben. Laut Rechtshilfe Wien sind bereits alle drei Personen wieder frei.<\/p>\n<p>Besonders heikel reagierte die Polizei auf vermeintliche Vermummungen. Bisweilen gen\u00fcgte ein Halstuch, um von Polizist_innen zu Ausweisleistungen aufgefordert zu werden. <\/p>\n<p>Besonders hervorgetan im kreativen Provozieren haben sich Polizist_innen auf Fahrr\u00e4dern, die Personen, die sie verd\u00e4chtigten, dass sie sich sp\u00e4ter vermummen k\u00f6nnten, aufhielten und deren Identit\u00e4t feststellten. Sp\u00e4ter hielten die ber\u00e4derten Polizist_innen Radfahrer_innen zu Verkehrskontrollen auf und beanstandeten Fahren auf der abgesperrten Ringfahrbahn, mangelhafte Beleuchtung und \u00c4hnliches \u2013 zumeist mit Aufnahme der Personalien.<\/p>\n<p>Auch Anonymous Austria feierte die Befreiung am 8. Mai und pr\u00e4sentierte als ihren Beitrag die \u00dcbernahme der Websites des Wiener Korporationsrings und des Vereins Studentenhaus im Rahmen einer neuerlichen \u201eOperation Blitzkrieg\u201c durch gedenkende Ponys.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/cba.fro.at\/59149\">>>Radio-Orange-Beitrag<\/a><\/p>\n<p>[display_podcast]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis zu 500 Personen kamen am 8. Mai zur Befreiungsfeier am Heldenplatz, zu der die Plattform \u201eJetzt Zeichen setzen\u201c \u2013 unterst\u00fctzt unter anderem von Israelitischer Kultusgemeinde, Gr\u00fcnen und SP\u00d6 \u2013 aufgerufen hatte. 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