Okt 202009
 

Am Dienstag, 20. Oktober besetzten Studierende, Lehrende, Personal und Sympathisant_innen die Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz in Wien. Bis Donnerstag, den 22. Oktober soll gestreikt werden. In der Aula finden Veranstaltungen und Aktionen statt. Der Grund: Am 22.Oktober soll eine Leistungsvereinbarung (diese teilt die Budgets zu) zwischen Bundesministerium und Akademie zum Abschluss gebracht werden, in der das Bachelor/Master-System in der bildenden Kunst – entgegen der Entscheidung der Akademie – erzwungen werden soll.
Für den Fall, dass die Forderungen von Lehrenden und Studierenden nicht umgesetzt werden, sind weitere Aktionen geplant.

Mehr Informationen und eine Petition finden sich hier:
http://www.malen-nach-zahlen.at/

Erklärung der Besetzer_innen:

Der Bologna-Prozess strebt die weitgehende Konvergenz mit dem angloamerikanischen Bildungssystem an. Ziel ist es in den Wettbewerb des globalen Bildungsmarktes einzutreten um die eigene wirtschaftliche Position zu stärken und forschungsabhängige Erträge zu erhöhen. Die Etablierung regulativer Normen und die Harmonisierung der Standards ist hierfür gleichzeitig Grundlage und Voraussetzung: Ohne Standardisierung keine Messbarkeit, ohne Messbarkeit keine Vergleichbarkeit, ohne Vergleichbarkeit kein Wettbewerb. Ökonomisierung und Wettbewerbisierung werden bis in die letzten Winkel der Wissenslandschaft getragen.

Daraus resultiert nicht nur der interkontinentale Wettstreit sondern auch jener zwischen den EU-Mitgliedsstaaten, innerhalb derer wiederum die einzelnen Universitäten untereinander sowie deren Institute ihrerseits um die besten Ergebnisse und Statistiken konkurrieren.

Diese Prozesse zur Schaffung einer Bildungsökonomie mit Wissen als gehandeltem Gut, entsprechen den allgemeinen Bestrebungen von Privatisierung und Kommodifizierung aller Lebensbereiche im neoliberalen Kapitalismus. Sie führen zu einer verstärkten Abhängigkeit der Bildungseinrichtungen von ihren ErhalterInnen, was zynischerweise als Autonomisierung der Universitäten betitelt wird.

Autonomie ist n diesem Zusammenhang ein Euphemismus für die neuen Formen der Steuerung von Institutionen. Die autonomisierten Hochschulen sind alles andere als autonom im Sinne von selbstbestimmt. Vielmehr werden sie dazu angewiesen, die Bedürfnisse von Ökonomie und Industrie zu erfüllen sowie sich selbst der Marktlogik im Sinn von Effizienz, Wettbewerb und manageriablen Leitungsstrukturen zu unterwerfen. Die in den 1970-er Jahren durchgesetzte Demokratisierung der Universitäten wird sukzessive abgeschafft, demokratisch legitimierte Gremien werden entrechtet und durch wirtschaftsorientierte Top-Down-Hierarchien ersetzt.

In der Beschaffenheit des dreistufigen Studienmodells der Bologna-Architektur manifestiert sich der in den letzten Jahren vollzogene Paradigmenwechsel von einem pluralistischen Bildungsideal hin zu einer spezialisierten wirtschaftsorientierten Ausbildung. Die Akademie der bildenden Künste hat sich wiederholt und eindeutig gegen diese Degradierung und gegen die Etablierung des Bachelor-Master-Systems ausgesprochen.
Wir weigern uns, uns der Logik von Politik und Wirtschaft zu unterwerfen!
Wir kämpfen für unsere Selbstbestimmung von Lernen, Lehren und Forschen!

Wir solidarisieren uns mit den Bildungsprotesten in Bangladesch, Brasilien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Indien, Iran, Italien, Japan, Südkorea, Kroatien, Niederlande, Serbien, Südafrika, USA!

 Posted by on Di., 20. Oktober 2009 at 15:55